Die Gemeine Esche, Fraxinus excelsior, galt bis vor etwa 20 Jahren als eine wichtige und wertvolle Laubbaumart in weiten Teilen Europas. Das Eschentriebsterben, verursacht durch den aus Ostasien stammenden Pilz Hymenoscyphus fraxineus (Eschen-Stängelbecherchen), hat allerdings seit seiner Einschleppung dazu geführt, dass die Eschenbestände in Europa stetig zurückgegangen sind.
Auch in Österreich, wo das Eschentriebsterben erstmals 2005 beobachtet wurde, ist ein Rückgang der Esche zu beobachten: Laut österreichischer Waldinventur 2007/09 (ÖWI) war die Esche im Ertragswald nach der Rotbuche die zweithäufigste Baumart, bezogen auf die Stammzahl. Gemessen in Vorratsfestmetern (Vfm), war die Esche auf Platz drei, hinter der Rotbuche und Eiche. Auch heute belegt die Esche im Ertragswald laut Waldinventur 2018/23 noch den dritten Platz, bezogen auf Vorratsfestmeter, sie wurde aber hinsichtlich der Stammzahl bereits von Ahorn und Hainbuche auf den vierten Platz verwiesen. Ein Grund dafür: Neben dem Zurücksterben der Bäume werden Eschen verstärkt genutzt.
Nationalpark Donau-Auen
Als einer der wichtigsten Verbreitungsschwerpunkte der Esche gelten Hartholz-Auwälder, wie sie im Nationalpark Donau-Auen zu finden sind. Dieser erstreckt sich vom 22. Wiener Gemeindebezirk entlang der Donau durch das östliche Niederösterreich bis zur österreichischen Staatsgrenze und bildet die größte zusammenhängende, nahezu unveränderte Flussauenlandschaft in Mitteleuropa.
Der Nationalpark Donau-Auen hat eine Fläche von insgesamt 9.600 ha, davon sind 63% bewaldet. Hier kommt die Gemeine Esche bestandesbildend vor. In der Naturrauminventur der Erhebungsperiode 2018/19 war sie, gemessen an der Stammzahl, die häufigste Gehölzart in der Baumschicht (16,3 %). Seit 1997 haben die Donau-Auen den Status eines Nationalparks der Kategorie II laut IUCN (International Union for Conservation of Nature). Damit wurden weite Teile außer Nutzung gestellt, wodurch im Wald eine natürliche Sukzession stattfinden kann. Diese Bedingungen bieten eine einzigartige Möglichkeit, die natürliche Dynamik des Eschentriebsterbens zu untersuchen.
Seit 2016 führen Mitarbeiter*innen der Abteilung Phytopathologie vom Institut für Waldschutz des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) alle zwei Jahre ein Eschen-Monitoring auf Flächen der österreichischen Bundesforste (ÖBf) im niederösterreichischen Teil des Nationalparks durch. Zuletzt konnte im Rahmen des Projektes „Ökologie und Artenschutz im Nationalpark Donau-Auen“ (761A-2021-54), gefördert durch das Österreichische Programm für Ländliche Entwicklung (LE 2014-20), das Monitoring 2022 und 2024 stattfinden. Dabei wurde der Gesundheitsstatus der Eschen mit dem Ziel erfasst, Eschen mit erhöhter Toleranz gegenüber dem Krankheitserreger zu identifizieren und die Dynamik des Eschentriebsterbens in nahezu ungestörten Waldökosystemen zu erforschen.
Monitoring seit 2016
Das Monitoring wurde 2016 mit 500 Bäumen in Beständen mit einem Eschenanteil über 70% gestartet. Da Eschen-Reinbestände in Österreich als Besonderheit von Au-Standorten zu bewerten sind, wurden zwei Jahre später zehn weitere Flächen (200 Eschen) mit einem maximalen Eschenanteil von 40–50% in das Monitoring aufgenommen. Auf jeder Untersuchungsfläche wurden im Jahr der Einrichtung 20 Eschen markiert, um deren individuelle Entwicklung nachvollziehen zu können.
Für die Beurteilung der Kronenschädigung wurde der Prozentanteil des zurückgestorbenen Kronenvolumens geschätzt und in eine von sechs Schadklassen eingeteilt. Für die Stammbasis wurde neben dem Vorhandensein von Wurzelhalsnekrosen (abgestorbenes Gewebe an der Stammbasis) auch das Ausmaß derselben als Prozentanteil des Stammumfanges erfasst und ebenso in Schadklassen eingeteilt.
Reinbestände stärker geschädigt als Mischbestände
Berücksichtigt man alle 700 eingangs markierten Eschen, gab es in den Reinbeständen eine Überlebensrate von 53% über die acht Jahre hinweg, in den Mischbeständen waren es 79% nach sechs Jahren. Ein Ergebnis, das sich mit anderen Untersuchungen deckt. Die Beimischung anderer Baumarten ist daher eine nicht zu unterschätzende waldbauliche Maßnahme zum Erhalt der Esche.
Besonders auffällig war, dass der Anteil an Eschen mit geringer Kronenschädigung (<10% des Kronenvolumens zurückgestorben) seit Beginn des Monitorings relativ stabil geblieben ist. In den Reinbeständen lag dieser Anteil bei rund 12 ± 5%, in den Mischbeständen bei 14 ± 4 % aller markierten Eschen.
Die Schwankungen zwischen den Jahren lassen sich anhand der Krankheitsdynamik erklären: Das Eschentriebsterben hat keinen linearen Verlauf, da es einen jährlichen Zyklus von Neuinfektionen aufweist. Der Erreger bildet infektiöse Ascosporen in den Fruchtkörpern, die hauptsächlich an den Blattspindeln in der Bodenstreu gebildet werden. Diese werden mit dem Wind verbreitet und können so jedes Jahr aufs Neue zu Infektionen in der Krone und an der Stammbasis führen. Bedingt durch den Witterungsverlauf im jeweiligen Jahr, kann der Infektionsdruck zwischen den Jahren schwanken. Da Eschen häufig viele Neuaustriebe bilden und tote Äste mitunter herunterbrechen, kann auch das zu bewertende Kronenvolumen zwischen den Jahren variieren, wodurch auch eine Verbesserung des Kronenzustandes erklärbar wird.
Etwa 4% der Eschen weisen eine erhöhte Toleranz auf
Bemerkenswert ist, dass gesund aussehende Bäume eine Tendenz haben, gesund zu bleiben. In den Mischbeständen waren 33% der Bäume, die 2018 eine Kronenschädigung von unter 10% aufgewiesen hatten, auch 2024 noch in der besten Schadklasse. Weitere 48% waren in der zweitbesten Schadklasse (10-25%). Demnach hatten 81% der eingangs gesunden Eschen nach sechs Jahren immer noch eine Kronenschädigung, die weniger als 25% des Kronenvolumens betraf. Von den Bäumen im Reinbestand, die 2016 in der besten Schadklasse waren, waren 2024 noch 27% in dieser und 33% in der nächstbesten Schadklasse. Mehr als die Hälfte der anfangs gesund erscheinenden Bäume (60%) hatten nach acht Jahren Monitoring immer noch eine Kronenschädigung, die weniger als 25% des Kronenvolumens betraf.
Etwa 4% der Eschen hatten über alle Monitoring-Jahre hinweg eine gute bis sehr gute Bewertung der Krone erhalten und darüber hinaus eine Stammbasis, die frei von sichtbaren Nekrosen oder Stammfäule war. Aufgrund des Infektionsdrucks, der auf allen Flächen im Nationalpark vergleichsweise hoch ist, weist dies auf eine erhöhte Toleranz dieser Bäume gegenüber dem Eschentriebsterben-Erreger hin.
Mitarbeiter und Försterschüler bei der Einschulung der Kronenansprache im Nationalpark Donau-Auen. © Veronika Neidel
Druck für jüngere Bäume besonders kritisch
Stärkere Bäume kommen tendenziell länger mit dem Schaderreger zurecht: Unterteilt man die Bäume nach BHD größer und kleiner als 50 cm, so zeigt sich, dass 2024 im Mischbestand 21% der Bäume mit einem BHD unter 50 cm nicht auffindbar oder abgestorben waren, während es bei Bäumen mit einem BHD über 50 cm nur 9 % waren. Im Reinbestand waren 48 % der Bäume mit BHD kleiner 50 cm tot oder fehlend, bei Bäumen über 50 cm BHD waren es 40%.
Obwohl die Naturverjüngung nicht systematisch erhoben wurde, war augenscheinlich, dass junge Eschen erschwerte Bedingungen vorfinden. Während auf 25 der Flächen Jungeschen dokumentiert wurden, erreichten diese lediglich auf zwei Flächen eine Höhe von mehr als 1,5 m. Durch den geringen Stammumfang folgt bei Jungpflanzen auf eine Stamminfektion häufig ein rasches Zurück- oder Absterben. Den Rückgang der Eschennaturverjüngung im Nationalparkbestand bestätigen auch die Daten der Naturwaldinventur 2018/19: Bei der Verjüngung bis 130 cm Höhe ging die Stammzahl zwischen 1998 und 2018 um 70% zurück (3.113 Stück/ha auf 899 Stück/ha).
Beim Eschentriebsterben muss zusätzlich die Stammbasis angesprochen werden. Im Jahr 2024 hatten in den Reinbeständen 34,9% der Bäume eine Stammbasisnekrose, in den Mischbeständen 44,0 %. Stammbasis-Nekrosen gelten als Eintrittspforten für sekundäre, holzzersetzende Pilze, wie zum Beispiel Hallimasch-Arten (Armillaria spp.), die als Wurzelfäule-Erreger zu einer massiven Reduktion der Standfestigkeit von Eschen beitragen. Bei mindestens 71% der markierten und bis 2024 abgestorbenen Eschen konnte vor dem Absterben eine Stammbasisnekrose dokumentiert werden. Dieser hohe Wert zeigt, dass eine Schädigung an der Stammbasis und den Wurzeln auch den Prozess des Absterbens maßgeblich beschleunigt.
Tolerante Individuen auch im Ertragswald gezielt fördern
Obwohl sich der kontinuierliche Rückgang der Eschenbestände auch in einem naturbelassenen Ökosystem wie den Donau-Auen fortsetzt, geben die Daten Hoffnung auf eine langsame Etablierung von krankheitstoleranten Eschenbeständen. Neben der Initiative „Esche in Not“ ist der Erhalt toleranter Individuen in situ als wesentlicher Beitrag zum Schutz der Esche zu sehen. Aus dem achtjährigen Monitoring lassen sich Maßnahmen für die Erhaltung und Förderung von gesunden Eschen ableiten:
- Eschen mit gering geschädigten Kronen und gesunder Stammbasis sollten unter Berücksichtigung der Verkehrssicherheit erhalten und deren Nachkommen gezielt gefördert werden.
- Die Förderung der Naturverjüngung ist von hoher Bedeutung, da besonders die Jugend eine kritische Phase für das Überleben von Eschen in Anwesenheit des Eschentriebsterben-Erregers darstellt.
- Bei Arbeiten in Eschenbeständen sollte immer beachtet werden, dass von Eschen mit hohem Kronentotholz-Anteil und einer geschädigten Stammbasis das Risiko von Kronenbruch und Windwurf beziehungsweise Umsturz ausgeht.
Webtipps: www.donauauen.at; https://infothek.bmk.gv.at/inventur-im-nationalpark-donau-auen-vielfalt-um-25-prozent-gestiegen/